Sibylla Huerta Krefft - Heilpraktikerin und Körperpsychotherapeutin
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“Leben lebt“ Wilhelm Reich

Die Funktionale Analyse

nach Will Davis


Im Bereich der psychotherapeutischen Behandlung hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Wenngleich die Kassen nur drei psychotherapeutische Verfahren anerkennen und bezahlen, haben sich über die Jahre hinweg in der Praxis eine Vielzahl neuer Methoden bewährt. Eine besondere Stellung nehmen hierbei die Verfahren der Körperpsychotherapie ein. Die Erkenntnisse über die Verbindung von Psyche und Soma (lat. Körper) haben sich mit den Entwicklungen in der psychosomatischen Medizin etabliert. Körperübungen jeder Art, seien sie für Entspannung, Atmung, Selbstwahrnehmung, Körpergrenzenerfahrung usw. sind heute geschätzte Bestandteile des Methodenkataloges psychosomatischer Kliniken und ambulanter Praxen.

Die Pionierarbeit dieser Entwicklung verdanken wir vor allem dem Arzt und Psychoanalytiker Wilhelm Reich (1897 – 1957). Reich zählte wie Adler, Jung, Groddeck und Ferenczi zum Kollegen- und Studentenkreis um Sigmund Freud im Wien des beginnenden 20. Jahrhunderts.

Reich trug in den dortigen psychoanalytischen Zirkeln erstmals seine Überlegungen zum Zusammenspiel von verbaler Aussage und körperlichem Ausdruck der Klienten innerhalb der therapeutischen Behandlung, im Rahmen seiner Forschungen zum Thema „ Widerstand in der Therapie“ vor. Nicht nur das Gesagte sei in der Analyse von Bedeutung, sondern auch das, vom Klient nonverbal in die Therapie eingebrachte. Ab 1927 nannte er seine Arbeit deshalb "Charakteranalyse" und ging davon aus, dass Haltung, Verhalten und Ausdruck Spiegelbilder der „erstarrten Lebensgeschichte“ jedes Einzelnen seien. Auf diesem Grundgedanken aufbauend, entwickelte Reich sein ganzes Leben lang neue Ideen und Konzepte, die sich mit der Thematik Charakter, Körper, Psyche, Lebensenergie, Sexualität, Gesellschaft, Natur und Kosmos beschäftigten.

Heute weisen Forschungen aus der Psychoneuroimmunologie nach, dass der Körper auf Veränderungen im sozioemotionalen Kontext auf Ebenen, die dem Bewusstsein nicht zugänglichen sind, biochemisch reagiert. Das Verhalten von Menschen (und das auch schon in ganz frühen Lebensphasen, wie sich jetzt in der Bindungsforschung zeigt) spiegelt oft deren innere Befindlichkeit nicht direkt wieder, so dass uns erst die genaue Analyse der körperlichen Befindlichkeit (z.B. des Stresslevels, der mittels des Kortisolspiegels bewertet werden kann) genauer Auskunft über die innere Befindlichkeit geben kann. Damit werden Reichs Überlegungen zu vegetativen Reaktionen, die unterhalb der Sprach- und Verhaltensebene stattfinden und in eben diesem vegetativen System Spuren hinterlassen, unterstützt.

Reichs besonderes Interesse galt im Lauf der Jahre zunehmend der biophysiologischen Seite von Psychotherapie. Sein großer Verdienst war und ist, sein Versuch, den Menschen als Ganzes zu erfassen.

In seiner Forschung widmete er sich konsequent der Frage „Was ist Leben?“ Die Energie, die er als Antwort auf diese Frage fand, nannte er Orgon. Orgon ist vergleichbar mit Begriffen aus der östlichen Medizin, wie z.B CHI. Uns sind Begriffe, die Energie jenseits elektrischer Energie bezeichnen, geläufig geworden. Dahinter steht eine lange Entwicklung in verschiedenen Bereichen der westlichen Kultur. Zu nennen sind hier u. a. auch die Entwicklungen im Bereich der Physik (Chaostheorie / Selbstorganisation usw.).

Damals war Energie innerhalb der Psychologie ein eher ungewöhnlicher Begriff. Sigmund Freud hatte zwar in seinen theoretischen Arbeiten zunächst Ähnliches thematisiert, sich dann aber ausschließlich seiner Triebtheorie zugewandt.

Reich hat zu seinen Lebzeiten nur wenig Anerkennung für seine Arbeit erhalten. Von der Nazionalsozialisten verfolgt, setzte er seine Arbeit zuerst in Dänemark, Schweden und Norwegen fort. Dann emigrierte er in die USA (1939) und arbeite dort bis zu seinem Tod(1957).

Um 1968 wurden Reichs Schriften in Deutschland und den USA wieder entdeckt und in der Folge entstanden, vor allem in den USA, eine Vielzahl köperpsychotherapeutischer Schulen. Die Bioenergetik nach Alexander Lowen, der hierzu auch zahlreiche Bücher verfasst hat, ist hiervon sicher die Bekannteste.

Die Körperpsychotherapeuten Lowen, Baker, Raknes, Pierrakoss u.a. legten in ihrer Arbeit, den Focus auf die Verstärkung der Lebensenergie (z.B. durch Atemübungen, Streßpositionen) und auf die Erweiterung der Fähigkeit, die damit entstandene Ladung, zu entladen. Mit dem erhöhten Ladungszustand wurden Hemmungen (Blockierungen) im Körper sichtbar. Diese Blockaden galt es dann zu lösen (z.B. durch angeleitete Bewegung, Töne oder direkten Druck auf die angespannte Muskulatur), um eingefrorene Gefühle wieder erleben und ausdrücken zu können.

Die Funktionale Analyse des amerikanischen Therapeuten Will Davis hat sich, sozusagen in der zweiten Generation (1980), dieser Schulen entwickelt.

Die Funktionale Analyse konzentriert sich auf Reichs spätere Überlegungen, dass Psyche und Soma (Körper) unter der Erscheinungsebene (zu der der psychische und somatische Ausdruck gehört) in einer energetischen Bewegung verbunden sind. Energie from the coreZentrale Eigenschaft dieser energetischen Bewegung ist ihre pulsatorische Qualität, d.h. eine Abfolge rhythmischer Ein- und Auswärtsbewegungen (In– und Outstroke). Die Vollständigkeit dieser Bewegungen wird zum Indikator für die Funktionsfähigkeit des Organismus.

Die scheinbare Trennung von Psyche und Soma, die viele Menschen als sehr leidvoll erleben, ist damit Ausdruck, eines aus der Balance geratenen, pulsatorischen Prozesses. Funktional gesehen, sind Psyche und Soma eins, und können somit gleichzeitig berührt werden. Durch die Erweiterung und das Ausbalancieren der Pulsation in der körpertherapeutischen Arbeit wird die Lebensenergie gestärkt; auf der Erscheinungsebene von Psyche und Soma wird Heilung und Veränderung sichtbar.

Die besondere Eigenschaft der Lebensenergie, ihre pulsatorische Bewegung, ist unmittelbar mit einer Wachstumsorientierung des Organismus verbunden.
Kreisläufe, die in steter Bewegung Ähnliches und doch Neues kreieren, sind in der Natur und an den Körperfunktionen des Menschen in vielfältiger Art und Weise zu beobachten (Jahreszeitenabfolge, Tag-Nachtrhythmus, Herztätigkeit, Generationenfolge ect.).

Reich illustrierte diesen Prozess mit dem Bild einer Kreiselwelle

Feedbackloop
nichtlineare Fortbewegung

Wir haben es hierbei mit einer nichtlinearen Fortbewegung zu tun, die aus einem kontinuierlichen Prozess des Schwungholens und Sammelns und eines darauf folgenden Ausgreifens entsteht. Die Bewegung nach vorne und außen (a = outstroke) entwickelt sich aus der Bewegung nach hinten und innen (b = instroke) und andersherum.

Die Funktionale Analyse setzt in diesem Zyklus dann an, wenn die Bewegung sich nach innen wendet (b), wenn es um die Fähigkeit zu Rekreation, Entspannung und Sammlung geht. Mit der Hingabe an diese Seite des pulsatorischen Prozesses (instroke) wird, ähnlich wie in der Homöopathie, das Selbstheilungs- und -entwicklungspotential angestoßen. Dies geschieht in der Funktionalen Analyse mit unterschiedlichen Techniken, die aber alle auf dasselbe abzielen: die tiefen Gefühle der inneren Verbundenheit und Sammlung zu fördern.

Die damit einhergehende Veränderung des Bewusstseinszustandes verankert persönliche Lernprozesse auf einer energetischen Ebene dauerhaft, und schafft damit die Basis für grundlegende Veränderungen auf der Verhaltensebene.

Man kann die Darstellung pulsatorischer Rhytmen auf viele Ebenen des menschlichen Lebens anwenden. So lassen sich sowohl Atemzyklen als auch ganze Lebensläufe, skizzieren. Das jeweilige pulsatorische Muster gibt uns Aufschluss über Betonungen der einen oder anderen Phase. Dies hat sowohl diagnostische, wie auch therapeutische Konsequenzen.

Die Analyse des jeweiligen persönlichen, pulsatorischen Musters, seiner Einschränkungen und Potentiale, des spezifischen Funktionierens des Organismus auf verschiedenen Ebenen des Lebens, ist der erste Schritt in der Arbeit unserer TherapeutInnen und hat der Arbeit ihren Namen gegeben (FUNKTIONALE ANALYSE).

Methoden

Wir arbeiten direkt am Körper mit einem Set von Druckpunkten,
die über den ganzen Körper, zumeist im Bindegewebe ( z.B. nahe der Gelenke), verteilt sind.
Durch die TherapeutInnen wird sanfter und gezielter Druck auf die Punkte ausgeübt.
Zusätzlich kommen Kompressionen verkürzter Muskulatur zur Anwendung, die spontanes Lösen von Anspannung zur Folge haben.
Im Bindegewebe setzen wir an, weil sich gezeigt hat, dass gerade das Bindegewebe beim Halten von frühem und/oder übermäßigem Stress, eine zentrale Rolle spielt. Die netzartige Struktur des Bindegewebes ermöglicht, durch die Arbeit an einigen Punkten, den ganzen Organismus zu beeinflussen. Der Druck wird als angenehm („Wohlweh“) und sicher erlebt. Der/die zu Behandelnde liegt bekleidet auf einer Matte und „muss gar nichts“.

Als direkte Folge der Arbeit mit den Druckpunkten kann es zu Emotionen und Erinnerungen kommen. Meist stellt sich aber tiefe Entspannung ein, ein Loslassen ganz im Innern. Hier entstehen Gefühle von Verbindung, Sammlung und Heilung. Manchmal geht die Entspannung bis hin zu kurzen Schlafphasen. Es sind kurze und sehr erholsame Momente, in deren Folge Gefühle großer Wachheit, Authentizität und Selbstzufriedenheit erlebt werden. Die damit einhergehenden Fragen, Erinnerungen, Gefühle und Gedanken sind Gegenstand unserer verbalen Arbeit, und werden immer im direkten Zusammenhang energetischer Veränderungen gesehen. Im Weiteren wird die Selbstbe(ob)achtung verbessert, die Muskulatur entkrampft, die Haltung verändert sich, Gefühle innerer Kongruenz treten auf, Selbstliebe und die Möglichkeit, sich selbst zu nähren, werden selbstverständlicher. Die innere Entwicklung macht mehr Bindung und tiefen Kontakt zu anderen Menschen möglich. Gleichzeitig wird die Wahrnehmung von Autonomie und Grenzen gestärkt. Wachstumsorientierte Veränderung auf allen Ebenen des Lebens zeigen sich über die Zeit.

Die Funktionale Analyse legt, wie beschrieben, den Focus auf die intrapersonale Arbeit, aus der heraus sich die interpersonale Arbeit immer dann ergibt, wenn sie sich vom Klient aus als nötig erweist. Der intrapersonale Prozess wird als notwendige Basis für dauerhafte Veränderung auf der interpersonalen Ebene gesehen. Die Beziehung Therapeut / Klient ist geprägt von dem Wissen um die Unabdingbarkeit von Sicherheit, kontaktvollem und sensiblen Verhalten, Respekt und klarer Grenzen seitens der TherapeuInnen. Gerade die Vervollständigung der Bewegung nach innen braucht dies in einem besonders hohen Maß.

 

Sollten Sie weitere Fragen zu
diesem Thema haben,
wenden Sie sich bitte an:

Sibylle Huerta Krefft
eMail: info@huerta.krefft.name


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